#edchatde Nachlese: Stress- und Zeitmanagement für Lehrer

F1 Der Lehrerberuf ist sehr stressig, wird ständig mehr mit Aufgaben überfrachtet, kaum zu schaffen: Stimmt’s? Konkret bitte! #EDchatDE
Das stimmt mit Sicherheit. Teilweise. Ich bin noch nicht lange genug im Beruf, um wirklich eine Entwicklung über Jahrzehnte hinweg reflektieren zu können. Doch das können andere aus dem #edchatde, wie @urshenning.

Es scheint also festzustehen, dass für das, was eigentlicher Kern der Arbeit sein sollte – guten Unterricht planen, durchführen und reflektieren – oft nicht genug Zeit bleibt. Ich selbst freue mich regelrecht, wenn ich mir die Zeit nehmen kann, den Unterricht gut und ausführlich zu planen. Aber das klappt natürlich auch nur, wenn gerade nicht Abschlussprüfungen korrigiert, Konferenzen gehalten oder die nächsten Klassenfahrten pädagogisch aufs Kleinste durchgeplant werden müssen. Auch dort bin ich nicht allein:

Ein ganz besonderer Fall sind da die Lehrer der Primarstufe, die besonders viel, oft und aufwendig differenzieren müssen und dann auch noch die höchste Stundenzahl haben.

F2 Lehrer arbeiten unterschiedlich effizient. An welchen Stellen gibt es selbst verschuldeten Stress, der als Belastung erlebt wird? #EDchatDE

Selbst verschuldeter Stress hat nicht zwingend etwas mit Effizienz zu tun. Ich kann die gleiche Arbeit in der gleichen Zeit erledigen und dabei Stress empfinden oder entspannt sein. Nicht die bloße Arbeitsdauer ist hier wichtig, sondern auch der Zeitpunkt, wann ich die Arbeit beginne und, wo ich arbeite. Mich persönlich stresst vor allem die Arbeit, die ich zu Hause, am Wochenende, am Abend oder in einer Kombination daraus erledige. Das ist dann eine große Belastung. Hier kann eine klare Trennung von Arbeit und Privatleben dienlich sein:

Aber natürlich ist auch die Art der Arbeit entscheidend. Formulare, Berichte, Pläne, die für den Aktenschrank oder den Papierkorb geschrieben werden lösen bei mir eine starke innere Verachtung aus. An solche Arbeiten setze ich mich äußert ungern. Da können alle äußeren Faktoren noch so ideal sein, ich am Strand bei bestem Sonnenschein liegen, das bleibt immer eine Belastung.

Vielleicht sollte man auch manchmal den selbstgeforderten Perfektionismus nicht ganz so ernst nehmen. Nicht jede Stunde ist das 3. Staatsexamen.

F3 Gibt es an Deiner Schule Mechanismen, Rituale, um der ständig wachsenden Belastung entgegen zu wirken? #EDchatDE

Der Stress durch die Heimarbeit wird wohl keine Schule lösen können. Da ist wohl eher Selbstdisziplin gefragt. Aber das empfindet sicherlich jeder Lehrer anders. Was für den einen Stress ist, ist für den anderen angenehm. Ein Ritual, das aber dem allgemeinen Stress entgegenwirkt ist ein regelmäßig stattfindender Teamnachmittag im Lehrerzimmer. Hier setzen sich alle Teamlehrer einer Jahrgangsstufe zusammen und können sich über Planungen von Fahrten, aktuelle Probleme bei SuS, etc. austauschen. Dieses Ritual trägt – für mich – zur Entstressung bei, da sonst Gespräche oft nur in der Pause geführt werden und manche Themen doch mehr als 5 Minuten Zeit benötigen. Die eierlegende Wollmilchsau des Stressabbaus scheint es aber nicht zu geben. Stress scheint ein subjektives Empfinden zu sein und daher muss dem auch möglichst individuell entgegengesetzt werden.

F4 Wie organisierst du Arbeitsprozesse (Workflow) so, dass selbstverschuldete Stressfaktoren minimiert werden? #EDchatDE

Ich versuche vor allem zu vermeiden, Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Denn ist die Klassenarbeit ein mal zu Hause, ist sie nie wirklich weg und die Gedanken kreisen doch ständig darum, ob die Bepunktung der Erörterung in Aufgabe 3 richtig gewählt ist.

Daher halte ich meine Lehrertasche so klein wie möglich. Ich möchte gar nicht erst in Versuchung geraten, Arbeit mit nach Hause zu nehmen.

Was ich zu Hause mache und auch zu Hause machen möchte, ist die Unterrichtsvorbereitung. Da diese bei mir komplett digital erfolgt, reicht die Lehrertasche im Format einer A4-Heftmappe aus. Auch dieser Trend scheint sich bei den Teilgebern breit zu machen.

F6 Stress wird subjektiv unterschiedlich erlebt. Woran liegt es, wie kann man selbst die Stresswahrnehmung steuern? #EDchatDE

Dass Arbeiten, die man erst kurz vor dem Stichtag beginnt, Stress verursachen, ist nichts neues. Darüber hinaus wird mein persönliches Stressempfinden erhöht, wenn ich, wie oben beschrieben, für „Ablage P“ arbeite. Es sind also solche Arbeiten, die eine besondere Belastung hervorrufen, die keine wirkliche Konsequenz nach sich ziehen. Natürlich wäre eine positive Konsequenz jedem am liebsten, doch überhaupt eine Konsequenz scheint um längen besser als überhaupt kein Feedback. Feedback. Ein gutes Stichwort. Wenn ich eine Arbeit leiste, zu der ich für gewöhnlich kein direktes Feedback bekomme, sollte ich dafür sorgen, mir eines einzuholen. Nicht für jede Unterrichtsstunde, natürlich. Das kann natürlich ein Fragebogen sein, aber manchmal hift es schon, die Schüler(innen) zu fragen, ob ihnen X oder Y beim Lernen geholfen hat, oder was nicht so gut war. Die sind da erstaunlich ehrlich!

Daneben sollte man nie vergessen, seinen Horizont zu erweitern. Abwechslung heißt das Zauberwort. Verbissenheit bringt niemanden weiter. Sport ist hier oft das Mittel der Wahl.

Das schützt in letzter Konsequenz auch vor unüberlegten Handlungen. Abwechslung begünstigt auch das Durchatmen und Überlegen.

F7 Könnten verfügbare digitale Infrastruktur und entsprechende Anwendungen helfen, Stress zu mindern? Wie und was? #EDchatDE

Kann digitale Infrastruktur helfen? Ja. Vor allem dort, wo viel Zeit für Arbeiten „verschwendet“ wird, die eigentlich automatisiert ablaufen kann. Warum soll ich selbst Multiple-Choice-Fragen auswerten, wenn es InstaGrade gibt? Warum selbst ein Lernvideo zur Zusammenfassung erstellen, wenn es schon gute z.B. bei ivi-unterricht.de gibt? Viele Dinge lassen sich zentralisiert outsourcen, für die eine Lehrerarbeitsstunde pure Verschwendung wäre, weil sie letztlich jeder gut trainierte Affe erledigen kann. Und wenn es nur das Eintragen von Terminen ist.

Aber auch hier lauern Gefahren. Wenn ich alles digitalisiere, sollte ich auch immer reflektieren, ob es mir wirklich hilft oder ob ich mehr Zeit in die Auswahl und Pflege von Hard- und Software stecke, als sie mir erspart.

Aber grundsätzlich halte ich es mit Ines:

#edchatde Nachlese: Stress- und Zeitmanagement für Lehrer

#edchatde Nachlese – Demokratielernen

Beim #edchatde am 19.04.2016 ging es um das breite Feld „Demokratielernen“. Was darunter überhaupt zu verstehen ist, welche Bedeutung Demokratie in der heutigen Gesellschaft hat und, wie Demokratielernen in der Schule gefördert werden kann; darüber tauschten sich zwischen 20:00 Uhr und 21:00 Uhr zahlreiche Lehrer auf twitter aus.

Frage 1 sucht nach einer Definition. Kann man und ist Demokratielernen von politischer Bildung abzugrenzen?

Schnell wird klar: Demokratielernen und politische Bildung gehören für die Teilnehmer untrennbar zusammen. Demokratielernen ist jedoch weiter gefasst und spielt in allen Alltagssituationen eine Rolle, wohingegen politische Bildung oft auf (staatliche) Institutionen beschränkt bleibt.

Ist Demokratielernen ein fester Bestandteil im deutschen Schulalltag? Ein Blick in die Schulprogramme soll Klarheit bringen.

Demokratielernen scheint fester Bestandteil zu seinn vom Schulprogramm, über Schülersprecher und Schülervertretungen, bis zu Entscheidungsprozessen im Kollegium. Denn wer Heranwachsenden demokratisch, verantwortliches Handeln beibringen will, sollte es selbst auch vorleben. Dazu gehört dann auch, eine Abstimmung gegen die eigene Meinung mittragen zu müssen.

Ist das Erlernen von Demokratie auf den Politikunterricht beschränkt, oder gibt es fächerübergreifende Ansätze oder gar schulstrukturelle Möglichkeiten?

Zwar gibt es an so ziemlich jeder Schule – vornehmlich zu historischen Feiertagen oder Jubiläen – Aktionstage, doch das kann nur die halbe Wahrheit sein. Demokratie ist kein Kurzprojekt, dass nur kurz vor Bundestagswahlen relevant ist, sondern eine Grundhaltung. Wie wirkt diese sich in der Schule aus?Woran lässt sich diese Grundhaltung festmachen? Zum Beispiel beim Mitbestimmungsrecht der Lektüreauswahl, Klassenfahrten, etc.

Frage 4: was gehört zur „Demokratie-Kompetenz“?

Grundlagen für die Demokratie-Kompetenz scheinen sehr vielfältig. Empathie, Selbstreflexion, Toleranz, mündiger Bürger sind da nur einige der zahlreichen Schlagworte. Das macht deutlich, dass Demokratielernen nicht nur in einem „Fach“ geschehen kann, sondern von allen Mitgliedern einer Institution gelebt und vorgelebt werden muss.

Wie wird Demokratielernen konkret unterstützt?

Hier lassen sich vorrangig drei Ebenen der Projekte und Anwendungsbeispiele festmachen.

  1. Großprojekte auf Gemeinden-, Landes- oder Bundesebene.
  2. Schulinterne, demokratische Gremien der Schülerschaft.
  3. Kleinste Interaktionen, Beratungen auf Augenhöhe zwischen LuL und SuS.

Ist erfolgreiches Demokratielernen messbar? Sind Wahlen – frei nach Böhmermann – ein IQ-Test?

Hassposts und Beleidigungen, vor allem im Internet zeigen zwar, dass noch „Luft nach oben“ ist, doch sind das wirklich Indikatoren für ein Demokratie-Defizit? Oder mangelt es nur an Manieren und an der Erkenntnis, dass das Internet auch nur von Menschen angesehen wird, die durch Facebook-Posts mindestens ebenso verletzt werden können wie durch eine persönliche Beleidigung? Kann es im Folgeschluss gute oder schlechte Meinungen geben? Hoffentlich nicht. Solang sie sachgerecht, wertschätzend und undogmatisch vertreten werden. Es lässt sich wohl nicht alles messen und benoten. Auch nicht in der Schule. Wobei, die Böhmermann-These findet auch ihre Anhänger…

Zum Abschluss möchte ich noch auf einen Tweet hinweisen, der eine noch viel breitere Diskussion eröffnen kann.

Hier findet sich auch wieder ein Bezug zum #edchatde von letzter Woche. Auch bei der Diskussion in der Ganztagsschule kam der Punkt auf, ob die Schule sich zur Ganztagsschule wandeln muss, um den Erziehungsauftrag von den Eltern zu übernehmen, weile diese ihn nicht mehr leisten können. Vielleicht ist dies nötig. Arbeitszeiten ändern sich, Familienmodelle sind im Wandel. Vielleicht muss die Schule genau da ansetzen, auffangen, erziehen. Vielleicht ist genau das die Aufgabe der Schule im 21. Jahrhundert. Und dann gehört auch der Umweltschutz und eine gesunde Lebensweise dazu. Aber nur vielleicht.

Wie immer sind und können die gewählten Antworten nur ein Ausschnitt des ganzen Chats sein. Wer alles lesen will: #edchatde auf twitter

#edchatde Nachlese – Demokratielernen

#edchatde – Nachlese

Der #edchatde am 13.4.2016 beschäftigte sich mit einem gänzlich analogen Thema, der Ganztagsschule. Ein Thema, bei dem sich die Gesellschaft spaltet. Lehrer und Politik haben n+1 Meinungen dazu.

Ob die Teilnehmer des #edchatde eine ähnliche Meinungsvielfalt zeigen oder sich auf einen Konsens einigen konnten, zeigt ein Blick auf die Fragen und Antworten.

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Zu Frage 1 beziehen die Teilnehmer zum Nutzen der Ganztagsschule Stellung. Die Antworten zeigen jedoch zunächst kein klares Bild.

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Die ausgewählten Tweets zeigen allerdings einen guten Querschnitt der Diskussion. Natürlich steht zunächst eine Aussage, die nach guter, ausführlicher und durchdachter Planung schreit, im Raum. Einige sehen den Nutzen vor allem bei den Eltern, die den sich wandelnden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geschuldet entlastet werden müssen, andere denken von den Schülern aus und sehen positive Auswirkungen auf das Schulklima. Wichtig ist hier ein Nachsatz „wenn alle den Nutzen sehen wollen“, der zeigt, dass Vorteile der Ganztagsschule wohl vorhanden sind, aber oft nicht als solche gesehen werden. Ein Vorteil der Ganztagsschule wird beispielsweise nicht im Ganztag an sich gesehen. Der Ganztag dient da eher als Fundament, auf dem andere Veränderungen (Zeitstrukturen, Entschleunigung, …) aufbauen können.
imageDie zweite Frage zeigte besonders vielfältige Äußerungen.

imageFreizeitangebote müssen an guten Ganztagsschulen in den Schulalltag integriert werden. Eine klare Zeitstruktur soll den Rahmen für freie Entscheidungen bieten. Dies scheint sich zunächst zu widersprechen, doch ein strukturierter Tag inkl. gesundem Mittagessen gibt vielen erst die Ruhe und innere Ordnung, sich interessensgeleitet für oder gegen verschiedene Angebote zu entscheiden. Dieser zeitliche Rahmen lässt sich nach Vorstellungen der Teilnehmer beispielsweise durch Rituale abrunden.
Doch hier werden auch erste kritische Stimmen laut, denn all diese Forderungen scheinen auch halbtags zu funktionieren.

imageHier herrschte zunächst viel Einigkeit.

imageDie Ganztagsschule eröffnet offenere Lernformen. Allerdings kann es auch Ganztagsschulen geben, an denen frontal nach altem Muster gelehrt wird. Es stellt sich also auch hier wieder die Frage, ob die Ganztagsschule nicht nur ein Deckmantel für eine Vielzahl von Veränderungen ist, die ohnehin längst überfällig wären.

imageVerschiedene Lerntypen gibt es nicht erst seit der Ganztagsschule. Wie reagiert eine gute Ganztagsschule auf Alleinlerner?

imageOffene Unterrichtsformen müssen auch bedeuten, dass der Unterricht offen für Ruhe ist. Dazu gehören auch Ruheräume. Ziel der Ganztagsschule muss sein, Angebote für alle Lerntypen zu haben. Doch unterschätzt werden sollte hier nicht, dass Teamarbeit eine Kompetenz ist, die die Gesellschaft und der Arbeitsmarkt verlangt und die Ganztagsschule daher auch die Alleinlerner genau darauf vorbereiten muss.

imageDen ganzen Tag in der Schule und dann keine Zeit mehr für Familie und Hobbies? Der #edchatde sieht das anders!

imageKooperation, Kooperation, Kooperation! Außerschulische Partner bieten kulturelle Angebote in der Schule an. So kommen auch die Couchpotatoes an die Klarinette! Woher soll man die außerschulischen Partner nehmen? Die Frage bleibt leider offen, muss aber wohl individuell vom Standort abhängig gelöst werden. Die Auswirkungen auf das Familienleben werden jedoch gar nicht so negativ gesehen, denn schließlich sehen sich viele Familien meist eh erst abends und würden durch das Wegfallen von Hausaufgaben eher noch entlastet.

imageDigitales in der Ganztagsschule? Im #edchatde? Let’s see…

imageDigitale Medien, neue Lerntechniken, damit veränderter Unterricht. Was an der Halbtagsschule nicht fehlen darf, muss es auch an der Ganztagsschule geben.

Daher stellt sich abschließend wieder die Frage, ob das ganztägige Lernen das entscheidende Argument für eine Ganztagsschule ist. Oder ist die Ganztagsschule nur ein Wegbereiter, um im gleichen Atemzug andere, vielleicht wichtigere Reformen an der Schule umzusetzen?

#edchatde – Nachlese

Medienbildung ist schädlich

So ist zumindest der IST-Stand. Der Grund dafür liegt darin, dass die Menschen, die „Medienkonzepte“ erstellen, Lehrpläne schreiben, Wissen über Medienerziehung an der Uni verkünden, … selbst unter völlig anderen Rahmenbedingungen mit neuen Medien in Kontakt gekommen sind. Heutige Bildungsschaffende hatten bestenfalls einen gesonderten Informatikunterricht auf der weiterführenden Schule selbst genossen, aber im Normalfall geschah der Erstkontakt mit neuen Medien im Kontext des Wissenserwerbs außerhalb der eigenen Ausbildung.

Das bedeutet: Heutige Lehrer haben ihre grundlegende Arbeitsweise („Workflow“) komplett (bzw. größtenteils) analog begonnen, es haben sich Verhaltensmuster mit analogen Tools eingeschliffen. Digitale Medien werden also von den heutigen Erwachsenen bestenfalls in bestehende, analog geprägte Workflows implementiert. Es werden also vorrangig die Medien und Tools ausgewählt, die einen bisherigen, analogen Workflow 1:1 ersetzen.

Ein gutes Beispiel dazu ist das „digitale“ Schulbuch, das oft nichts mehr ist als ein PDF des analogen Buchs. Das Konzept der „Buchseite“ ist im digitalen Zeitalter nicht mehr von Nöten. eReader (Kindle, …) machen es vor. Hier werden Lesepositionen lediglich nach Kapiteln unterschieden.

Lädt man bei Schulbuchverlagen als Lehrer das digitale Lehrerhandbuch herunter (was man für viel Geld zusätzlich kaufen muss), bekommt man nicht selten einen Schwall Dateien, die so benannt sind:

Bildschirmfoto 2016-02-17 um 14.11.07

Nein, die Ziffern beziehen sich nicht auf die Buchseiten im Lehrwerk (was noch sinnvoll wäre), sondern beschreiben die Seitenangaben im gedruckten Lehrerhandbuch. Was hier falsch ist, muss man hoffentlich niemandem erklären.

Auch hier wird wieder ein analoges Medium (Ein Lehrerhandbuch mit Seiten) 1:1 als „digitale“ Kopie angeboten, ohne über den Nutzen und die Vorteile der Digitalisierung nachzudenken.

Wie kann es sein, dass in einer Broschüre über Handynutzung für 5.-Klässler der Begriff Bluetooth mit „Damit kannst du kostenlos Filme und Musik versenden und empfangen.“ erklärt wird? Will man die Kinder zum Filesharing erziehen? Die Intention ist das (hoffentlich) nicht, aber es wird auch hier deutlich, dass diese Broschüre von Menschen verfasst wurde, bei denen das Handy in einen bereits bestehenden Workflow eingefügt wurde. Dieser Personenkreis hat vermutlich Bluetooth für eben diese Tätigkeiten genutzt, also kann auch nur das den Schülern erklärt werden.

Einen Ausweg kann ich nicht aufzeigen, aber klar ist, dass Medienbildung neu gedacht werden muss und nicht als bloßer Ersatz für bereits bestehende Arbeitsweisen. Denn dann fehlt schlicht der Mehrwert.

  • Wozu benötige ich ein Interactive Whiteboard, wenn ich die gleichen Dinge anzeichne wie an einer Kreidetafel?
  • Wozu setze ich den PC ein, wenn die Schüler dort einen Text schreiben, den sie ebenso und vermutlich schneller (Anmelden im Schulnetzwerk, Booten der Schul-PCs, …) auf einem Blatt Papier schreiben?
  • Wozu lasse ich Schüler im Internet Informationen suchen, wenn diese ebenso im Schulbuch in ihrem Rucksack stehen?

Hier überall fehlt es an Mehrwert. Und damit ist der Medieneinsatz oft nicht mehr als Reduzierung der effektiv nutzbaren Lernzeit. Denn dem Gehirn der Schüler ist es ziemlich egal, ob sie einen Text bei Wikipedia oder in ihrem Schulbuch lesen. Das Gehirn arbeitet immer gleich.

Medienbildung ist schädlich

Etherpads im Unterricht – gewinnbringend

Voraussetzungen für den Einsatz im Unterricht

Ein Etherpad ist eine tolle Sache. Internet, wie es sein sollte. Verschiedene Autoren können gemeinsam in einem Textdokument schreiben, sich gegenseitig verbessern, Anmerkungen machen, Lösungen entwickeln. Und das browserbasiert, also unabhängig vom Betriebssystem. Es scheint, ein ideales Tool für den Unterricht.

Die Voraussetzung für den Einsatz im Unterricht sind vergleichsweise simpel: Jeder Schüler benötigt ein Endgerät mit Browser und Internetzugang (selbst gedrosselte Smartphonetarife funktionieren hier gut, es wird nach dem initialen Download nur Text übertragen.).

Vorteile für den Lernerfolg

Auch ein Etherpad sollte man nicht einsetzen, nur weil es geht. Es sollte für den Lernerfolg der Schüler auch immer einen Mehrwert zur Arbeit mit Papier und Stift geben. Beim Etherpad ist der Mehrwert vor allem im Bereich des kollaborativen Schreibens zu suchen. Den größten Nutzen hat ein Etherpad dort, wo Autoren nicht zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind und dennoch miteinander Arbeiten wollen. In der Schule sind i.d.R. alle Schüler im Klassenraum. Dies ist also kein Vorteil für den Unterricht.

Der Vorteil für den Unterricht besteht aber genau in dieser Funktion, dem gemeinsamen, gleichzeitigen Bearbeiten eines Dokuments. Hier kann (und sollte) es durchaus passieren, dass Schüler A etwas in das Etherpad schreiben möchte, was Schüler B bereits geschrieben hat. Hierbei überprüfen und bestätigen sich die Schüler gleichzeitig. Die Lösung, die (fast) alle Schüler zu einer Frage schreiben, wird meist richtig sein. Andererseits wird hier für den Lehrer schon während der Bearbeitung der Aufgaben deutlich, welche Aufgaben / Lösungen am Ende der Unterrichtsstunde genauer besprochen werden müssen. Nämlich diese, die keine einheitlichen Schülerlösungen aufweisen. Wie genau das aussehen kann, werde ich noch später an einer Unterrichtsstunde zeigen.

Beispiel für den Unterrichtseinsatz

Die erste Stunde, in der die Klasse ein Etherpad einsetzt, kann man gleich vergessen. Was ich damit sagen möchte: Inhaltlich wird hier nicht allzu viel hängen bleiben. Die Schüler (also die Angehörigen der Generation Z, die ach so medienkompetent sind) müssen sich zunächst einmal mit dem Etherpad als Tool vertraut machen. Als Thema der Stunde bietet sich also hier eine Wiederholung und Vertiefung eines bereits besprochenen Themas an. Hier habe ich drei Hauptgruppen von Schülern beobachtet.

  1. Schüler, die sich schnell darauf einlassen und vertraut machen. Diese Erledigen die gestellten Aufgaben recht schnell.
  2. Schüler, die die Funktionen des Etherpads ausreizen, den Chat spamen, das Textdokument als Chat „benutzen“ und schnell Regeln benötigen.
  3. Schüler, die mit dem Konzept des gemeinsamen Bearbeiten eines Dokuments überfordert sind und sich erst nach und nach darauf einlassen.

Erschreckenderweise stellt in der Generation Z die Gruppe 3 meiner Beobachtung nach den Großteil einer Klasse dar. Es wird also wieder deutlich: Wer Sprachnachrichten aus Whatsapp versenden kann, ist noch lange nicht medienkompetent.

Es gehören also gemeinsame Regeln aufgestellt. Wie beim Reden miteinander sollte man sich auch beim Schreiben aussprechen/-schreiben lassen. Zwar ist es möglich, gleichzeitig zu schreiben, jedoch sollte je Autor eine eigene Zeile im Dokument verwendet werden.

Möchte Schüler A etwas schreiben, was Schüler B schon geschrieben hat, sollte die Antwort nicht doppelt notiert werden, um die Übersichtlichkeit zu bewahren. Es ist jedoch möglich, seine Zustimmung zu einer schon notierten Lösung auszudrücken, indem man ein (+1), (+2) etc. schreibt. So wird direkt Zustimmung und damit Bestätigung deutlich.

Sind die Regeln klar und die Schüler mit dem Etherpad vertraut, bietet es sich an, das Etherpad so vorzubereiten, dass sowohl die Aufgabenstellung, ggf. Links zur Aufgabenstellung und die Struktur der Lösungen vorgegeben ist. Ein Beispiel zum Thema Fragetechniken könnte so aussehen:

Bildschirmfoto 2016-02-08 um 16.07.08.png

Entscheidend hierbei ist, dass Fragen aus den Interviews direkt kopiert werden können. Es wird also Zeit beim Abschreiben der Fragen gespart und die Schüler können mehr Zeit darauf verwenden, über ihre Lösungen nachzudenken. Die Lernzeit wird auf das Ziel des Unterrichts hin also effektiver genutzt.

Viele der Lösungen werden dabei schon während der Arbeitsphase durch die Mitschüler bestätigt. Die Reflexion findet also zum Teil schon hier statt.

Sind alle Fragen kategorisiert, kann der Lehrer in der abschließenden Reflexion schon unklare Lösungen vorauswählen und diese zur Diskussion stellen. Da so nicht alle Lösungen besprochen werden müssen und für unklare Punkte mehr Zeit zur Diskussion bleibt, ist auch hier der Unterricht effektiver und damit der Lernerfolg für jeden einzelnen Schüler höher.

Kritik

Ein offensichtlicher Kritikpunkt ist bei der Beschriebenen Einsatzmöglichkeit, dass sich einzelne Schüler zurücklehnen können und das eigene Denken einstellen, da die anderen ja die Arbeit erledigen.

Meiner persönlichen Beobachtung bei meinen Lerngruppen nach kann ich das jedoch nicht bestätigen. Eher ist es eine zusätzliche Motivation für viele, eine Lösung vor allen anderen zu finden, die dann von den Mitschülern nur noch bestätigt werden kann.

Schüler, die sich bei der Arbeit mit Etherpads nicht auf die Unterrichtsinhalte konzentrieren und dazu neigen, Lösungen von anderen abzuwarten, sind i.d.R. genau die Schüler, die beim Einsatz klassischer Unterrichtsmedien das gleiche Verhalten an den Tag legen. Der einzige Unterschied hierbei: Beim Einsatz eines Etherpads fallen solche Schüler sofort auf.

Etherpads für den Unterrichtseinsatz

Natürlich ist die schönste Lösung, ein Etherpad auf dem schuleigenen Server zu hosten. Wo das nicht möglich ist, muss man auf fremdgehostete Pads ausweichen. Empfehlenswert sind:

http://zumpad.zum.de

http://etherpad.nibis.de

 

 

Etherpads im Unterricht – gewinnbringend

Das iPad als Interactive Whiteboard

Gründe für ein Interactive Whiteboard (IWB)

Ob SMART-, Activboard oder iPad – die Frage nach dem Sinn der digitalen Tafel möchte ich voranstellen. Wozu braucht man das eigentlich? Die Kreidetafel tut doch auch ihren Dienst. Eben nicht. Die Kreidetafel ist ein Kompromiss, der zwischen erforderlichem Nutzen und praktischen Nachteilen taxiert. Ob digital (IWB) oder analog (Kreidetafel), sie dienen stets dazu, Notizen, Schaubilder, etc. allen sichtbar zu machen, Ergebnisse zu sammeln, oder eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu formulieren. All das kann die Kreidetafel eher schlecht als recht. Der Schreibende steht mit dem Rücken zur Gruppe. Der Schreibende muss in ungewohnter Größe und Handhaltung schreiben. Der Schreibende muss überhaupt schreiben und kann sein Ergebnis nicht im Original der Gruppe Präsentieren. Kreide an den Fingern ist echt „bäh“. Möchte ich den SuS Fotos oder Videos zeigen, bietet die Kreidetafel dazu keine Funktion. Ich könnte ewig so weitermachen…
Wenn die Kreidetafel also ein Kompromiss ist, sollte man sich die Frage stellen, ob es nicht einen anderen Kompromiss mit mehr Vor- und weniger Nachteilen gibt. Das IWB ist sicherlich nicht perfekt und viele Kritiker haben sicherlich im Kern auch recht, doch sollte man Tafel vs. IWB nicht komplett schwarz, weiß oder grün sehen.

IWB-Tafel oder iPad & Beamer?

Das IWB als fest installierte Tafel mit Activboard oder SMART-Board Software ist momentan (2015) sicherlich die verbreitetste Version des Interactive Whiteboard. In der Praxis zeigen sich jedoch Mängel.
Die IWB-Tafel steht fest in einem Raum. Daher muss sich jeder Lehrer zu Beginn der Unterrichtsstunde in sein Benutzerkonto einloggen. Die Nutzerverwaltung geschieht i.d.R. auf einem Schulserver und solang nicht jede Schule neben einem Hausmeister auch einen Systemadministrator besitzt, funktioniert das Netzwerk nicht verlässlich. Dazu kommt, dass IWB-Tafeln vergleichsweise teuer sind und daher (von einigen Leutturmprojekten abgesehen) nicht flächendeckend in allen Klassenräumen installiert sind. Möchte ich als Lehrer meinen Unterricht voll auf das IWB abstimmen, bekomme ich Probleme, sobald der Raumbelegungsplan keine freien Kapazitäten mehr hat und ich in einen Raum mit Kreidetafel ausweichen muss. Ist eine IWB-Tafel im Klassenzimmer installiert, ist die meist die einzige Tafelfläche. Auch als Nerd-Lehrer muss man sich eingestehen, dass die Kreidetafel in Einzelfällen einen Vorteil bietet. Wenn in unteren Klassenstufen bspw. das richtige Anlegen eines Geodreiecks zum Messen von Winkeln erklärt wird, ist die haptische Erfahrung an der Kreidetafel dem Softwarelinieal auf dem IWB überlegen. Würde man also flächendeckend IWB-Tafeln installieren, wäre es nicht nur teuer, man würde auch das gesamte Kollegium zum Einsatz zwingen. Das iPad mit Beamer bietet hier wesentlich mehr Vorteile. Zunächst ist es wesentlich günstiger und flexibler. Es müssen auch nicht gleich fest installierte Beamer in jedem Raum sein. Es reicht zu Beginn, Leihgeräte in Schulbesitz zu haben. Dort lassen sich dann natürlich nicht nur iPads, sondern auch beliebige andere Geräte anschließen. So kann jeder LuL seine präferierte Plattform selbst wählen. Ob das über BYOD oder Arbeitsgeräte abläuft oder ablaufen sollte, steht auf einem anderen Blatt. Das Anmelden in ein Benutzerkonto fällt weg, weshalb der Einsatz grundsätzlich auch unabhängig von einem funktionierenden Netzwerk möglich ist. Das iPad ist im Bildungssektor weit verbreitet und bietet viele Applikationen, die über den Beamer so allen SuS zugänglich gemacht werden können.

Exemplarische Unterrichtsszenarien

Besprechung von verschriftlichen Ergebnissen / Hausaufgaben

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Das iPad verfügt im Gegensatz zur Kreidetafel über eine Kamera. Das Schülerheft wird also fotografiert und der Schüler kann an seinen originalen Aufzeichnungen seine Vorgehensweise erklären. Anders formuliert: Wie oft ist es schon vorgekommen, dass SuS beim Abschreiben von Lösungen an die Kreidetafel neue Fehler gemacht haben, die im Heft noch nicht waren? Das führt zur Verunsicherung der anderen SuS, kostet Zeit und damit Unterrichtserfolg. Software der Wahl ist hier für mich GoodNotes mit einem Eingabestift.
Winkel als Kursangabe bei der Navigation mit dem Kompass

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Räumliches Denken fällt oft schwer. Karten lesen auch. Und wenn dann noch das Geodreieck mit den vielen Zahlen dazu kommt, ist für viele Mittelstufenschüler der Zug abgefahren. Vor allem, wenn dieses komplexe Gebilde mit einer 3 mal 4 cm großen Karte und einem Flugzeug illustriert ist. Aber das iPad kann auch da etwas, was die Kreidetafel nicht kann: Die Flugsimulation X-Plane 10 starten und die Navigation mit der Gradeinteilung am Kompass „live“ nachvollziehen.

Das iPad als Interactive Whiteboard